Entwicklung von Instrumenten für die sprachliche Förderung von Migrantinnen und Migranten
Auftraggeber: Bundesamt für Migration (BFM)
Das Projekt wird unterstützt durch den Integrationskredit des Bundes (BFM).
Die Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten ist ein Legislaturziel des Bundesrates. Dabei wird der Kenntnis einer Landessprache eine wichtige Funktion zuerkannt. Vor diesem Hintergrund und im Rahmen des Modellvorhabens „Rahmenkonzept Sprachförderung RKSF“ des Bundes hat das Institut für Mehrsprachigkeit zuhanden des Bundesamts für Migration (BFM) 2009 ein „Rahmencurriculum für die sprachliche Förderung von Migrantinnen und Migranten“ erarbeitet. Im Auftrag des BFM werden nun mit Blick auf die Umsetzung und Konkretisierung dieses Rahmencurriculums und in engem Kontakt mit Akteuren aus der Praxis bis Ende 2011 weitere Instrumente für die sprachliche Förderung der Migrantinnen und Migranten entwickelt. Diese Entwicklungsarbeiten gliedern sich in fünf verschiedene Entwicklungsprojekte und werden vom Institut für Mehrsprachigkeit koordiniert.
Projektkoordination
Die Projektkoordination organisiert und leitet die Abläufe im Gesamtprojekt und stimmt die Arbeiten der Entwicklungsprojekte inhaltlich und zeitlich aufeinander ab. Damit gewährleistet sie während der ganzen Projektdauer Kontinuität und die Kohärenz der einzelnen Projekte untereinander. Durch regelmässige Treffen (z.B. Meilensteinsitzungen, Sitzungen Projektausschuss) werden die verschiedenen Arbeitsabläufe der Teilprojekte inhaltlich und terminlich aufeinander abgestimmt und der Informationsfluss zwischen den verschiedenen Projektteams garantiert. Das BFM als Auftraggeber steht in direktem Kontakt mit der Projektkoordination und nimmt die Zwischenergebnisse anlässlich von Meilensteinsitzungen ab.
Die Projektkoordination liegt beim Institut für Mehrsprachigkeit (Fribourg/Freiburg) und umfasst inhaltliche und administrativ-organisatorische Aufgaben.
Verantwortlich: Martin Müller und Lukas Wertenschlag
Administration: Susanne Obermayer
Internationales Begleitgremium
Ein Begleitgremium mit international anerkannten Fachleuten aus Irland, Belgien, Deutschland und der Schweiz steht in der Planungsphase des Gesamtprojekts als Gesprächspartner zur Verfügung. Das Gremium hilft auch bei der Klärung von Fragen im Verlauf des Projekts und unterstützt den Prozess der Qualitätssicherung der einzelnen Entwicklungsprojekte. Das Begleitgremium unterstützt die Projektkoordination und die jeweiligen Projektleitungen in beratender Funktion. Ebenso prüft es zusammen mit der Projektkoordination die Erreichung der Meilensteine und spricht Empfehlungen zu deren Abnahme durch den Auftraggeber aus. So trägt das Begleitgremium durch kontinuierliches inhaltliches Feedback zur Qualität der Projektarbeiten bei. Das internationale Begleitgremium trifft sich regelmässig anlässlich der Meilensteinsitzungen und wird vom Institut für Mehrsprachigkeit (Fribourg/Freiburg) geleitet.
Verantwortlich: Peter Lenz
Entwicklungsprojekt A: Analyse von kommunikativen Bedürfnissen verschiedener Migrantinnen- und Migrantengruppen - Beschreibung von Lernzielen
Das übergeordnete Ziel des Projektes A besteht darin, Grundlagen zu schaffen für die Optimierung von Massnahmen im Bereich der sprachlichen Integration von Migrantinnen und Migranten. Voraussetzung bildet dabei die Erfassung der tatsächlichen Kommunikationsbedürfnisse verschiedener Gruppen von Migrantinnen und Migranten im Hinblick auf ihre Partizipation am gesellschaftlichen Alltag und ihre soziale und berufliche Integration. Darauf folgt die Spezifizierung und Beschreibung entsprechender sprachlicher Kenntnisse und Fertigkeiten. Dies schliesst Überlegungen zur Bedeutung interkultureller Kompetenzen für sprachliches Alltagshandeln mit ein. Die Festlegung von Zielen und Inhalten kann bei der Organisation von Angeboten für den Erwerb der jeweiligen Lokalsprache hilfreich sein. Ausserdem ermöglicht dieses offene System von Zielbeschreibungen eine flexible Nutzung für weitere Zielgruppen und spezifische Bedürfnisse. Die Leitung des Entwicklungsprojektes A liegt beim Institut für Mehrsprachigkeit (Fribourg/Freiburg).
Seit Februar 2010 wird im Projekt an Lernzielbestimmungen für Migrantinnen und Migranten gearbeitet. Dafür wurde ein handlungs- und ressourcenorientierter Ansatz gewählt: Lernziele werden also nicht als Listen, sondern beispielhaft in 11 Handlungsfeldern (z.B. Arbeitsplatz, Ämter und Behörden, Mobilität) als Handlungsszenarien dargestellt. Dafür wurden in Form einer Bedürfnis- und Bedarfsanalyse zahlreiche Interviews in der gesamten Schweiz durchgeführt (April 2010 – Februar 2011). Gleichzeitig wurde ein Konzept für die Lernzielbestimmung erarbeitet. Dieses lässt sich aufgliedern in Groblernziele, wobei wichtige Handlungen und soziokulturelle Kenntnisse im Zentrum stehen. Die Groblernziele sind unter Einbezug des Rahmencurriculums und der Daten aus der Bedürfnis- und Bedarfsanalyse im Zeitraum von Juli 2010 bis März 2011 entwickelt worden. Seit Februar 2011 wird das Konzept für die Feinlernziele, d.h. für die Sprachkompetenzbeschreibungen, erarbeitet. Ab Mai 2011 werden die Feinlernziele passend zu den fertig gestellten Groblernzielen entwickelt.
Verantwortlich: Martin Müller
ProjektmitarbeiterInnen: Séverine Beaud, Elio Lanari, Lisa Singh-Tscherrig
Studentische Mitarbeiterinnen: Fausta Genazzi, Mathilde Grousson, Melanie Kutz, Annemarie Lazar
Entwicklungsprojekt B: Illustration von Lernzielen
Verantwortlich: Mike Makosch, Urs Egli (MGB - Koordinationsstelle der Klubschulen KOST)
Die sprachlichen Leistungen von Migrantinnen und Migranten werden mittels Filmaufnahmen, Texten usw. illustriert. Dazu werden exemplarische Aufgabenstellungen zu ausgewählten Kompetenzbeschreibungen aus unterschiedlichen Handlungsfeldern entwickelt. Mit den Illustrationen werden die beschriebenen Lernziele fassbar und kommunizierbar gemacht. Dies ist hilfreich für die Umsetzung der Lernziele in der Sprachförderung und insbesondere auch für die Nutzung zu Beurteilungszwecken.
Stand der Arbeiten im Frühjahr 2011:
Mündlich:
Die Produktion der Filmaufnahmen läuft im Frühjahr 2011 auf Hochtouren. Von den geplanten 24 Filmen (à 3-5 Minuten) wurden bisher 18 gedreht. Die Filme zeigen 12 Migrantinnen und Migranten (Niveaus A1-B2) aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Lernbiographien.
Im Unterschied zu früheren Projekten werden die Deutschlernenden nicht im Klassenzimmer aufgenommen; das vorliegende Projekt filmt die Migrantinnen und Migranten bei der Bewältigung kommunikativer Aufgaben direkt im Alltag, z.B. beim Besichtigen einer Wohnung, beim Sich-Anmelden auf der Gemeinde, beim Arzt oder im Gespräch mit dem Vorgesetzten oder einem Arbeitskollegen. Durch den kommunikativen Fokus der Aufnahmen in der realen Umgebung mit einem deutschsprechenden realen Gegenüber (Arzt, Mitarbeiterin auf der Gemeinde etc.) stellen wir fest, dass die Darstellenden insgesamt in einem positiveren Licht erscheinen (die kommunikative Aufgabe wird u.U. trotz bescheidener Deutschkompetenzen erfüllt) als in den eher defizitorientierten Schulzimmeraufnahmen der Vergangenheit.
Die Dreharbeiten werden Ende Mai 2011 abgeschlossen. Nach Abschluss der laufenden Postproduktion sind die Filme so weit fertiggestellt, dass die kommunikativen Leistungen der Darstellenden im September 2011 mit externen Partnern bewertet und kommentiert werden können.
Schriftlich:
Für die Illustration der schriftlichen Kompetenzen von deutschlernenden Migrantinnen und Migranten in der Deutschschweiz führen wir zwischen Februar und Mai 2011 mit knapp 40 Personen „Schreib-Sessions“ durch. Die Teilnehmenden verfügen über Niveaus A1-B2. Ausgehend von realen Schreibanlässen wie z.B. die Nachbarn zu einem Apéro einladen oder sich per E-Mail krank melden, verfassen die Teilnehmenden Texte. Diese Texte werden zwischen Juni und September 2011 bewertet und kommentiert.
Entwicklungsprojekt C1: Instrumente zur Standortbestimmung, zur Evaluation und Dokumentation der Lernfortschritte
Verantwortlich: Margrit Hagenow (IDEA Innovation, Entwicklung und Beratung im Bildungsbereich)
Es werden die folgenden Instrumente zur Standortbestimmung, zur Lernbegleitung und zur Fortschrittsmessung in Sprachförderkursen entwickelt:
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Instrumente zur individuellen Einstufung und Zuteilung zu Fördermassnahmen
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„Toolkit“ für Lehrpersonen, mit verschiedenen Instrumenten zur Lernbegleitung und Evaluation
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Instrumente zur Dokumentation und Attestierung der Lernleistungen am Ende von Sprachförderkursen
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Praxis-Leitfaden für Kursleitende zur Verwendung der Lernbegleitungs- und Evaluationsinstrumentee
Die Instrumente sind in Übereinstimmung mit dem Rahmencurriculum auf eine handlungsorientierte Methodik ausgerichtet und in verschiedenen Lernumgebungen anwendbar. Ein spezifisches Einführungsmodul sowie allenfalls zusätzliche Weiterbildungsmodule für Kursleitende und Kursanbietende bereiten auf den Gebrauch der Instrumente vor.
Zurzeit (Frühling 2011) ist das IDEA-Team dabei, erste Instrumente mit ausgewählten Institutionen in der Praxis zu erproben.
Entwicklungsprojekt C2: Sprachenportfolio für Migrantinnen und Migranten in der Schweiz
Verantwortlich: Ernst Maurer (Sprache und Integration, Zürich)
Es wird ein Portfolio geschaffen, welches Migrantinnen und Migranten als nützliche persönliche Lernbegleitung und als Nachweisinstrument für sprachlich-kommunikative Kompetenzen dient. Dafür werden folgende Materialien entwickelt und eng mit den Instrumenten zur Standortbestimmung, Lernbegleitung und Evaluation verknüpft:
- Sprachenpass, mit dem Sprachkompetenzen nach Fertigkeiten differenziert ausgewiesen werden können. Bezugsrahmen ist eine einfach verständliche Beschreibung der Referenzniveaus des GER auf der Grundlage der neuen Lernzielbeschreibungen.
- Checklisten zur Selbstbeurteilung mit Ich-kann-Beschreibungen und Visualisierungen von wichtigen Sprachverwendungssituationen
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Sammelmappe (Arbeits- und Präsentationsmappe) für Lernhilfen, individuelle Lernprodukte, Kursbestätigungen usw.
Entwicklungsprojekt D: Qualifizierung von Sprachkursleitenden im Integrationsbereich
Verantwortlich: Bernhard Grämiger (SVEB Schweizerischer Verband für Weiterbildung)
In einem ersten Schritt wird eine Auslegeordnung über bestehende Ausbildungen für Sprachkursleitende im Integrationsbereich erstellt. Basierend darauf wird in einem zweiten Schritt ein Rahmenprofil für Sprachkursleitende im Integrationsbereich erarbeitet. Mit dem Rahmenprofil als Grundlage wird ein Gleichwertigkeitsverfahren definiert, welches es den Sprachkursleitenden ermöglicht, informell erworbene Kompetenzen anerkennen zu lassen.