Vortrag Franz Mali
Donnerstag, 18. November 2010, Institut für Mehrsprachigkeit, 17.15 - 18.45, Raum K0.02
Vortrag von Prof. Dr. Franz Mali, Universität Freiburg, Departement für Patristik und Geschichte der Alten Kirche
Κοντραδικιτουρ – Verstanden alle Griechen Latein? Blitzlichter auf Mehrsprachigkeit in der Spätantike
Vorrtrag in deutscher Sprache. Flyer
Zusammenfassung:
Im Westen des Römischen Reiches gab es grosse Gebiete (Sizilien und Süditalien) und wichtige Kolonien von Griechen (Nordafrika, Gallien), daneben war die Sprache der Philosophie auch in Rom das Griechische. Im Laufe des 4. Jh.s entwickelte sich im Westen eine "Romanitas", die diese Zweisprachigkeit und andere Idiome allmählich eliminierte. Auch wenn im Osten des Imperiums das Griechische Verkehrssprache war, wurde das Latein in Heer und in Jurisprudenz bis einschliesslich dem Codex Iustinianus (534) gepflegt.
Wie funktionierten der Austausch zwischen Ost und West in diesem zwei grosse und viele kleine Sprachen umfassenden Imperium? Trug die Sprachenvielfalt zum Auseinander-brechen bei?
Auch in die kirchliche Praxis spielte diese Diversität hinein, sei es auf Konzilien, in der Korrespondenz oder im alltäglichen Leben. Im römischen Nordafrika konnte der Vorgängerbischof des Augustinus von Hippo nur auf Griechisch predigen, Augustinus hingegen (+ 430) beherrschte nur das Latein, Griechisch lernte er behelfsmässig, und mit den Einheimischen konnte er sich überhaupt nicht auf Libysch oder Punisch verständigen. Darüber hinaus spiegeln gerade klösterliche Gemeinschaften die Vielfalt wider: Mönche im römischen Ägypten, die nur Koptisch verstanden, aber von lateinischen und griechischen Wallfahrern besucht wurden; das griechische Kloster des hl. Sabas östlich von Jerusalem, in dem georgischen Mönche die Psalmen in ihrer Muttersprache beteten; Gemeinschaften in Westsyrien, die parallel auf Griechisch und Syrisch Hymnen sangen.