Das Schweizer Lernerkorpus SWIKO liefert erstmals eine breit abgestützte empirische Grundlage zur Beschreibung der tatsächlichen schriftlichen und mündlichen Sprachkompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der obligatorischen Schulzeit. Das Korpus ermöglicht es Lehrpersonen, ihren Erwartungshorizont realistischer einzuschätzen: Anhand authentischer Texte wird sichtbar, was Lernende auf bestimmten Stufen leisten können – und wo Grenzen liegen.
SWIKO umfasst über 2’600 schriftliche und mündliche Sprachproduktionen von Lernenden im Alter von 14 bis 16 Jahren in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch – sowohl als Erst- wie auch als Fremdsprachen. Das Korpus wurde zwischen 2016 und 2019 erstellt und 2021-2024 weiter ausgebaut, unter anderem durch eine teilweise automatisierte Fehlerannotation und vertiefte Analysen. Ergänzend wurden Lehr‑Lern‑Aktivitäten für die Sekundarstufe I entwickelt. Ziel des Projekts ist es, die Realität der produktiven Sprachkompetenzen sichtbar zu machen und damit eine wichtige Ergänzung zu Lehrplänen, Bildungsstandards und Kompetenzmodellen wie dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) zu schaffen.
Der nun vorliegende Forschungsbericht zeigt detailliert, wie Wortschatz, Grammatik und sprachliche Komplexität in authentischen Lernertexten tatsächlich aussehen. Sprachliche Leistungen hängen stark von Faktoren wie Aufgabenstellung, Textsorte und Modalität (mündlich vs. schriftlich) ab und variieren erheblich unter gleichaltrigen Lernenden. Das öffentlich zugängliche Korpus kann von Lehrpersonen und Lernenden genutzt werden, um Lernziele anschaulicher zu machen und genauer zu fassen. Dies ist besonders relevant, da sich der Fremdsprachenunterricht in den letzten Jahren verstärkt auf kommunikative und handlungsorientierte Lernziele fokussiert, während Wortschatz- und Grammatikerwerb teilweise in den Hintergrund treten. SWIKO unterstützt Lehrpersonen dabei, Aufgaben gezielt zu variieren und konkrete Fördermassnahmen für Lernende zu entwickeln.
Langfristig soll SWIKO auch direkt im Unterricht eingesetzt werden, etwa im Rahmen von Workshops oder durch die Nutzung der Datenbank für entdeckendes Lernen. Lehrpersonen und Lernende können dabei reale Sprachbeispiele analysieren, vergleichen und diskutieren – ein Ansatz, der sowohl die Sensibilität für sprachliche Variation als auch das Verständnis für sprachlichen Erwerb stärkt.
Mit dem Abschluss des Forschungsberichts ist ein zentraler Meilenstein erreicht. Ein daran anschliessendes Forschungsprojekt Synergien zwischen den Sprachen in der Schule: „SWIKO triple S“ wird das SWIKO-Korpus weiterführen und den Fokus insbesondere auf das Schreiben argumentativer Texte legen.
Zur Studie